Zeitungsbericht zum Vortrag „Kinder sicher im Netz“

Foto: Markus Strothmann / Neue Osnabrücker Zeitung

Die Neue Osnabrücker Zeitung berichtet über den Elternabend zum Thema „Kinder sicher im Netz“, auf dem ich am 28. September Referent war. Mit den Eltern und Lehrern der Oberschule am Sonnensee habe ich über digitales Aufwachsen, Privatsphäre und Datensammlung gesprochen. Ich habe versucht (laut Reporter „extrovertiert und in hohem Tempo“ ;-), den Anwesenden die Wichtigkeit eines stetigen „Dranbleibens“ zu verdeutlichen:

Was also sollte man Kindern mit auf den Weg geben, um die Risiken der Internetnutzung zu minimieren? „Sie sollten sich regelmäßig informieren, mögliche Schutzmechanismen anwenden und auf Augenhöhe mit Ihren Kindern reden“, empfahl Brendel. Wenn der Nachwuchs sehr viel besser Bescheid weiß als die Eltern, wird es schon schwierig, auch nur zu reden über problematische Anwendungen, Seiten und Gewohnheiten.

Für meinen Arbeitgeber biete ich den Vortrag auch auf Abruf für Infoabende oder als Fortbildungsmodul an. Infos hier.

Terrorabwehr braucht keine Massenüberwachung

In der Terrorabwehr läuft vieles falsch. Die Massenüberwachung z. B. Quelle: ARD/Arte

Braucht Terrorabwehr Massenüberwachung? Der Film „Terrorjagd im Netz„, der heute auf ARTE lief und in dessen Mediathek zu sehen ist, sagt: Nein.

In der sehenswerten Dokumentation wird beispielsweise eine private Initiative vorgestellt, die anhand öffentlich zugänglicher Informationen Terrorverdächtige ermitteln kann – indem Kommunikationswege analysiert und dargestellt werden, und das heißt auch: ohne, dass die Privatsphäre der Betroffenen verletzt wird. Eine These des Films: Wäre das von drei Zivilisten entwickelte Computersystem in behördlichem Einsatz gewesen, wäre der Terroranschlag vom 19.12.2016 in Berlin verhindert worden.

Das System weist viele Parallelen zu einem NSA-Tool auf, das Ende der 1990erjahre entwickelt wurde. Auch „Thinthread“ verfolgte nicht die Auswertung massenhafter gesammelter Daten, sondern die Analyse von Kommunikationsverhalten. Es wurde drei Wochen vor dem 9.11.2011 zugunsten eines größeren Projekts abgeschaltet – obwohl, wie ein späterer Test bestätigte, die Attentäter von 9/11 als solche hätten identifiziert werden können.

Die dritte steile, aber von verschiedenen Gesprächspartnern untermauerte These, nennt den Grund für die Liebe der Geheimdienste zur Massenüberwachung: Geld. Denn besonders in den USA liegen Überwachungstechniken in der Hand kommerziell operierender Unternehmen, in denen ehemalige NSA-Bediensteten beschäftigt sind. (Der Whisteblower Edward Snowden war ja bei solch einem privaten Sicherheitsdienstleiter beschäftigt).

Massenüberwachung hat noch keinen einzigen Terroranschlag verhindert. Ja, viele Mitarbeiter der Geheimdienste beschweren sich über diesen höchste ineffizienten Ansatz, der dazu führt, dass die Dienste die Auswertung von Daten erst ein Jahr nach Erhebung abgeschlossen haben.
Andere Systeme, die viel schneller Gefahren erkennen und bereits im Besitz der NSA waren, hätten Anschläge verhindern können. Und es gibt Systeme, die es heute können, ohne dabei die Privatsphäre zu verletzen.
Aber Massenüberwachung ist ein Riesengeschäft. Ist das ein Zufall?
Ich empfehle sehr „Terrorjagd im Netz“ anzusehen.

Trojanische Pferde: Missbrauch im Bauch

Im vorherigen Artikel habe ich erklärt, warum ich den von der Großen Koalition abgesegneten Staatstrojaner ablehne. Hier will ich zwei Gefahren benennen, die beim Missbrauch des Trojaners drohen:

  1. Trojaner ermöglichen Manipulation. Internetanwendungen Smartphones prägen unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit. Was wir von der Welt wissen und wie wir Ereignisse einordnen, erfahren wir in zunehmendem Maße über Apps – Messenger, Soziale Netzwerke, News-Apps – und Internetseiten. Die Vollüberwachung, die eine Software wie der Staatstrojaner ermöglicht, ermöglicht auch Manipulation. Denn statt Inhalte einfach nur aus dem Smartphone auszulesen kann ein Trojaner auch Inhalte hineinschreiben. Das im Sinn zu haben werfe ich weder den Politikern noch den Ermittlern vor, die nun den Staatstrojaner gefordert und installiert haben. Doch die Möglichkeit sollte ihnen und uns bewusst sein. Immerhin tut der britische Nachrichtendienst GCHQ genau dies bereits, in dem er Internetseiten faked – und zwar ebenfalls nicht nur zur Terrorabwehr.
  2. Trojaner bedrohen die Menschenrechte. Das aus Ermittlersicht Positive am Staatstrojaner, dass nämlich private Meinungsäußerungen abgefangen und ausgewertet werden, kann Menschen in ernste Gefahr bringen. Der Trojaner „Finfisher“ der der deutschen-britischen Firma Gamma wurde 2012 bei Demokratie-Aktivisten in Bahrain gefunden (Link / Link). Auch das Bundesinnenministerium setzt eine Softwarelösung von Gamma ein – in welchem Maße, und in welcher Beziehung zum Staatstrojaner, ist unklar. Auch hier gehe ich davon aus, dass niemand mit dem Staatstrojaner missliebige Personen diskreditieren oder mundtot machen will. Doch es geht.

Um mögliche Gefahren wie diese zu diskutieren, hätte es einen breiten Austausch zum Staatstrojaner gebraucht, ein ehrliches Gesetzgebungsverfahren und die Expertise von IT-Fachleuten, Menschenrechtsorganisationen und Staatsrechtlern. Traurig, dass der von der Regierungskoalition angewandte Verfahrenstrick das verhindert hat.