USA bestreiten Massenüberwachung

Der Europäische Gerichtshof hält die auf US-Servern gespeicherten Daten der EU-Bürger für nicht sicher – und das im Jahre 2000 geschlossene „Safe Harbor“-Abkommen für ungültig. Für amerikanische Unternehmen könnte das Übles bedeuten – z. B. dass Facebook und Google die Daten europäischer Nutzer nicht mehr in den Staaten speichern dürften.

Doch nun hat sich die US-Vertretung bei der Europäischen Union zu Wort gemeldet – mit einem Schreiben, das offenbar die EU-Bürger beruhigen soll. Das wesentliche Zitat:

Die Vereinigten Staaten praktizieren keine anlasslose Massenüberwachung und haben das auch nie getan, was auch für normale EU-Bürger gilt.

Prism sei legal und würde sich nur gegen ausländische Geheimdienste richten, heißt es weiter, und außerdem wolle Obama die Geheimdienste transparenter machen.

Tatsächlich: Es handelt sich um ein Schreiben aus dem Jahr 2015, obwohl es es so scheint, als hätten die Verfasser noch keine Zeit gefunden in die von Edward Snowden beschafften NSA-Papiere zu schauen. Denn darin wird sehr deutlich, wie die bestrittene Massenüberwachung funktioniert. Auch belegbare Schritte zur Eingrenzung der Überwachung ist die US-Regierung bislang schuldig geblieben.

Vielleicht ist aber auch wirklich ein Schreiben aus dem Jahre 2012, das irgendwie zwischen Washington und Brüssel in der Post hängen geblieben ist.

Apple bekennt sich zum Privatsphäreschutz

Respekt, Apple! Die Firma hat sich deutlich zum Schutz der personengebundenen Daten der Applenutzer bekannt. Auf einer neuen Internetseite erläutert die Firma detailliert, welche Dienste verschlüsselt sind und warum sie sicher sind. Keine Frage: Apple betreibt, nach allem was man weiß, kein Geschäft mit Daten, sondern mit Hard- und Software. Ganz anders als Google oder Facebook. Die bieten dafür kostenfreie Dienste, während Apple für seine schön designten Geräte einen Haufen Geld verlangt. Wenn die Daten also dem Kunden zustehen – warum sie nicht nach Kräften schützen?

Weil Kräfte nicht genügen. Apple ermöglicht in seinen Geräten nur wenige Einstellungsmöglichkeiten für den Datenschutz. So lässt sich bei Iphones oder Ipads z. B. der Zugriff von Apps auf die Kamera oder den Standort deaktivieren. Die Weitergabe der IMEI (der eindeutigen Kennung eines Smartphones und damit einem wichtigen Bestandteil von Überwachungsalgorhitmen) sowie der Zugriff von installierten Apps auf die SMS-Funktion, das NFC-Modul oder die Sensoren des Handies lassen sich jedoch nicht regeln. Apple scheint sich sich auf seine eigenen Schutzmechanismen zu verlassen, nicht jedoch auf den Nutzer, der selbst festlegen möchte, welche Daten in seinen Augen schützenswert sind.

Zudem waren waren Apples Schutzmechanismen leider bislang auch nicht so sicher, dass die Selbstsicherheit des Konzerns gerechtfertigt wäre: Erst vor einer Woche wurden manipulierte Anwendungen in den Appstore hochgeladen, und 2014 wurden hunderttausende Nackfotos von den Icloud-Servern geklaut.Nicht zuletzt behält sich das Unternehmen den Zugriff auf das Gerät vor. Dieser Umstand könnte die NSA, die auch Apple-Server als Quelle für ihre Überwachung nutzt, natürlich nutzen.
Apple-Geräte als Paradies für sensible Daten? Leider nicht.

Datensammler Windows 10: Halt die Klappe!

Die weitgehende Kritik an Windows 10 im Blick auf den Schutz der Privatsphäre trifft bei mir auf Unverständnis. Auch dieser Blog hatte bereits dargelegt, dass der Nutzer vielfältige Möglichkeiten hat, die standardmäßig eingestellte Datensammlung abzuschalten. Darüber Bescheid zu wissen und sich kritisch damit auseinanderzusetzen, darf man dem Nutzer einer Maschine, die Millionen Rechenoperationen pro Minute durchführt, sicherlich zumuten.
Ich bin froh, dass der Nutzer in diesem Sinne als mündig gilt – und das war bei Windows-Betriebssystemen nicht immer der Fall (und ist es bei anderen Betriebssystemen heute noch nicht). Die Entscheidung Komfort (Datenübermittlung u.a. zur Softwareoptimierung) vs. Privatsphäre liegt also in seiner Hand.

ooDank eines kostenlosen Werkzeugs lässt sich die zweite Option nun auch noch leichter umsetzen. Statt in diversen Menüs herumzuwurschteln (was die Mündigkeit leicht an ihre Grenzen führt), empfehle ich einen Blick auf „O+O Shut Up“. Das kleine Programm der deutschen Firma O+O Software GmbH trägt den Beinamen „Antispy“-Tool. Das klingt nach einem tiefen Systemeingriff, tatsächlich macht die Software aber nichts anderes als alle relevanten Datenschutzoptionen von Windows 10 untereinander aufzulisten. Sie gibt dem Benutzer die Möglichkeit, diese ein- oder auszuschalten. Die jeweils getroffene Auswahl kann gespeichert und beim Neustart des Programms auch wieder hergestellt werden. Eine feine Sache, die möglichen „Spys“ die Arbeit auf jeden Fall ordentlich erschwert.