Ergebnis 2014: Bürger vs. NSA 1:1

Alec Perkins, CC BY 4.0Das Jahr eins nach Snowden geht zu Ende. In den vergangenen Monaten wurden viele weitere Informationen über das Ausmaß der weltweiten elektronischen Überwachung bekannt, die die Gesellschaft aber mehr und mehr anfangen aufzurütteln. Glücklicherweise bekommt aber auch Privatsphäre wieder einen Wert, zumindest in der europäischen Gesellschaft. Immer mehr Menschen sehen ein, dass Datenhygiene der einzige Weg ist, um der NSA und ihren verbündeten Diensten ein Schnippchen zu schlagen. Das heißt: Im digitalen Leben so wenig Daten wie möglich produzieren und sie in so wenig Hände wie möglich zu legen.

Das muss, so lautet das Motto dieses Blogs, nicht mit einem Komfortverlust einhergehen. Dennoch heißt digitale Selbstbestimmung, sich umzustellen: Zweimal zu überlegen, welche Daten, Fotos, Gewohnheiten ich in eine Email schreibe oder auf Facebook poste; von Onlinediensten, die die Nutzerdaten mit den Geheimdiensten teilen (müssen), wechseln zu welchen, die das nicht tun – oder sie stark verschlüsseln. Die Chat-App Threema bekommt täglich mehr Nutzer, und auch Platzhirsch Whatsapp wird unsere Daten künftig verschlüsseln – für mich die größte Überraschung des Jahres.

Bemerkenswert ist, dass sich die NSA im Wettstreit gegen die Bürger „ihren“ Punkt nicht selbst verdient hat. Er wurde ihr von den Apple, Google und vielen Elektronikherstellern geschenkt. Die Konzerne sollten eigentlich auf der Seite der Bürger stehen und reklamieren das hin und wieder auch für sich, wenn sie die Pflicht zur Kooperation mit der NSA kritisieren. Weil sie aber selbst auch von der massenweisen Datensammlung im Netz profitieren – Stichwort: personalisierte Werbung – können sie es nicht lassen neue Dienste und Gadgets auf den Markt zu werfen, die genau dies tun. Sie sammeln die öffentlichen, persönlichen und privaten Daten von Internetnutzern, werten sie aus, verdienen damit Geld – und geben sie in die Hände der Geheimdienste.

Folgende Entwicklungen bereiten mir Sorgen:

  1. Google Inbox. Das neue Interface für die Google-Dienste wird künftig auch E-Mails von anderen Providern anzeigen. Das heißt, wenn Google sich treu bleibt (und die Emails wie „eigene“ Mails behandelt): dass auch diese E-Mails gescannt werden, die (privaten) Inhalte ausgewertet und für Werbung benutzt werden. Und für die NSA.
  2. Apple-SIM: Das Unternehmen will Iphones und Ipads künftig mit einer eigenen SIM-Karte ausstatten, die theoretisch mit allen Anbietern und Tarifen funktioniert. Die Anbieter zieren sich noch, weshalb der „für Verbraucher sehr interessante“ Ansatz (Computerbild) nicht so recht in die Gänge kommt. Aber wenn er das tut, landen alle über die SIM abrufbaren Daten, also Verbindungsdaten und Standortdaten, bei Apple.
    Und bei der NSA.
  3. Fitnessarmbänder. Sie sind eigentlich das Gegenteil zu meiner obigen These, nach der die Menschen aufmerksamer für Datenhygiene wären. Vielleicht wächst das Bewusstsein des Wertes von persönlichen Daten – bei einigen Menschen sinkt es jedoch definitiv. Diese „Aktivitätentracker“, die fast alle Sportartikel- und Smartphonehersteller im Angebot haben und die laut Bitkom-Umfrage 16 % der Deutschen zu Weihnachten verschenken oder sich anschaffen wollen, messen den Pulsschlag, die Hautfeuchtigkeit und den Schlafrhythmus.
    Ich kann nur vermuten, dass die Motivation der Nutzer darin liegt, dass sie durch die genaue Messung aller möglichen Daten das Gefühl der Kontrolle über ihr Leben bekommen. Ob das eingelöst wird und dann tatsächlich glücklich macht, wage ich zu bezweifeln. Auf jeden Fall gelangen die Körperdaten auch die Fänge der Hersteller der Armbänder. Auch Google und Apple gelangen daran, wenn die Gadgets mit Smartphones gekoppelt werden. Die NSA natürlich auch.
    Wie weit dieser gefährliche Trend geht, zeigen Aktivitätentracker für Säuglinge, über die ich an anderer Stelle schrieb. Kein Wunder, dass nun auch Krankenversicherungen auf diesen Zug aufspringen: Wer bei der Generaligruppe versichert ist, so ein Ding trägt und beweist, dass er gesund lebt, bekommt Rabatte. Die SZ fragt zurecht: „Wollen wir wirklich in dieser Welt leben?“

Licht und Schatten im Jahr 2014 – ich hoffe, das kommende Jahr bringt mehr Aufklärung, mehr Aufschrei bei den Bürgern und mehr Einsicht auf Seiten der Dienste und der sie kontrollierenden Regierungen.

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